29.04.2021Vermögenswirksamer Leitfaden

„Als ich meine Eigenheimfinanzierung mit meinem Zukunftsagenten besprochen habe, habe ich kurz gezuckt. Hätte ich vielleicht doch irgendwann mal einen Bausparvertrag machen sollen!?!“, erinnert sich Julia. Die 32jährige Lehrerin aus Oldenburg hatte sich zum Ende ihres Studiums von den Zukunftsagenten beraten lassen und neben der Kranken- und Dienstunfähigkeitsversicherung auch die Nutzung der Vermögenswirksamen Leistungen (VWL) des Dienstherrn klar gemacht. „Allerdings“, so Julia weiter, „wurde es zu Beginn meiner Berufstätigkeit kein Bausparvertrag. Fast keine Rendite mehr und – wie mir mein Zukunftsagent bei der Finanzierung meiner Wohnung vorgerechnet hat – wäre in der kurzen Zeit auch nicht viel zusammengekommen. Schließlich bekomme ich als Beamtin ja auch nur 6,65 EUR im Monat vom Dienstherrn.“

Auch Julias Zukunftsagent erinnert sich: „Bausparen als Weg ins Eigenheim fällt eigentlich in fast allen Fällen aus, da gibt es zu viele Variablen. Julia hatte sich zwar als eher konservativ in Gelddingen eingestuft, sich dann aber für eine Mischung aus Sicherheit und Rendite entschieden. In der engeren Auswahl waren der Fondssparplan und die Versicherungslösung. Letztere wurde es dann, da Julia direkt mit Beginn des Referendariats die VWL nutzen und diese als kleinen Beitrag für die Altersversorgung eingesetzt sehen wollte.“

Es gibt verschiedene Optionen zur Nutzung der vermögenswirksamen Leistungen. Welche eignet sich für wen? Wir stellen die gängigsten Varianten vor.

Vermögenswirksame Leistungen anlegen – verschiedene Möglichkeiten

Tatsächlich bietet die Anlage der Vermögenswirksamen Leistungen mehr Möglichkeiten, als vielen bekannt ist. Rund 20 Millionen Arbeitnehmer*innen und Beamt*innen in Deutschland haben Anspruch auf Vermögenswirksame Leistungen (VWL). Knapp 7 Millionen nutzen sie nicht und verschenken somit Geld. Wir helfen gerne und bringen mit unserem Vermögens-wirksamen Leitfaden etwas Licht ins Dunkel: Wie kann die VWL am besten angelegt werden?

Förderung mit weiterer Förderung – Einkommensgrenzen beachten

Zunächst einmal: Die Vermögenswirksamen Leistungen stellen schon eine Förderung dar, aber es gibt oben drauf in bestimmten Einkommensgrenzen weitere Förderungen:

  • Wohnungsbauprämie – Diese fließt nur in Bausparverträge, schließlich sollen damit auch „wohnwirtschaftliche Zwecke“ bedient werden. Die Einkommensgrenzen liegen hier: Ledige 35.000 EUR, Verheiratete 70.000 EUR. Die Wohnungsprämie beträgt dann 10%, max. jedoch 70 EUR p.a. für Ledige und für Verheiratete 140 EUR p.a.
  • Arbeitnehmersparzulage – Im Bausparvertrag gelten als Einkommensgrenze 17.900 EUR p.a. für Ledige bzw. 35.800 EUR p.a. für Verheiratete – auf max. 470 EUR Beitrag gibt es dann max. 43 EUR Förderung im Jahr.
  • Auch Fondssparpläne können gefördert werden, hier gelten als Einkommensgrenze 20.000 EUR p.a. für Ledige und 40.000 EUR p.a. für Verheiratete und eine Förderung von 20%, max. also 80 EUR p.a.
  • Wer diese Förderungen ganz oder teilweise nutzt, hat dann eine Laufzeit von 6 Jahren plus ein Jahr Ruhezeit – vorher kann man an das Kapital nicht ran!
  • Eine Mehrfachprämie ist möglich bei entsprechender gleichzeitiger Besparung von Bausparvertrag und Fondssparplan – was aber schnell die Höhe der VWL übersteigen dürfte.

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten der Förderung, wobei beachtet werden muss: Förderung schränkt die Verfügbarkeit an – und findet nur in den bestimmten angegebenen Einkommensgrenzen überhaupt statt. In vielen Fällen – so zum Beispiel bei Beamten – sollte zudem die VWL aufgestockt werden, um einen sinnvollen Beitrag zu schaffen. Wer aufgrund seines Einkommens auf Förderung verzichten muss, gewinnt dafür auf der anderen Seite an Flexibilität.

Die verschiedenen Wege zur Anlage der vermögenswirksamen Leistungen

1) Bausparen – für sehr konservative Sparer*innen und Eigenheimbesitzer*innen

Bausparen bringt heutzutage nur wenig Zinsen und ist genau genommen selten ein Weg in die eigenen vier Wände. Denn mit einem Bausparvertrag legt man sich auf etwas fest, was man vorab selten weiß: Wann erwirbt man eine Immobilie zu welchem Preis? Zudem muss beachtet werden, dass ein Bausparvertrag alleine die Finanzierung nicht trägt und nur einen Teil darstellt. Wenn nun aber zum Zeitpunkt der Finanzierung die Verbundpartner der eigenen Bausparkasse nicht das attraktivste Gesamtangebot machen, kann allenfalls das Eigenkapital daraus genutzt werden.

Somit eignet sich Bausparen vor allem für sehr konservative Sparer*innen – und diejenigen, die schon ein Eigenheim haben und sich mit dem Bausparvertrag günstige Möglichkeiten einer Sanierung oder Renovierung sichern wollen. So hat man dann den „Krankenschein“ für’s Haus. Wer hier auch noch Anspruch auf die Wohnungsbauprämie hat, kann damit eine interessante Lösung bekommen. Natürlich kommt es hier wieder auf den passenden Tarif an. Hier gibt es, wenig überraschend, viele Unterschiede am Markt.

Nachhaltigkeitscheck: Die meisten Bausparkassen erläutern auf ihre Websites, wie sie sich für eine nachhaltige Zukunft einsetzen, allerdings fehlt es oft an konkreterem.

2) Depot – langfristige Rendite am Kapitalmarkt sichern

Eine schöne Lösung für lange Laufzeiten und investmentaffine Sparer ist ein Fondssparplan. Ein reines VL-Depot kann ab 8 EUR Jahresgebühr eröffnet werden und zielt auf das Sparen in Aktienfonds ab. Das ist langfristig eine sehr interessante Anlage.

Allerdings: Die Verwaltung ist nicht immer ganz schlank – und wer wirklich langfristig mit seiner VWL als Altersvorsorge mit Arbeitgeberzuschuss plant, sollte auch steuerliche Fragen berücksichtigen. Und hier bekommt der Fondssparplan inzwischen Konkurrenz durch die Versicherungslösung, siehe Punkt 3.

Geeignet ist der Fondssparplan auf jeden Fall für kapitalmarktaffine Sparer*innen, die keine Angst vor (zwischenzeitlichen) Verlusten haben und trotz eher langfristiger Orientierung die VWL nicht zwingend für die Altersvorsorge einplanen und flexibel bleiben wollen.

Nachhaltigkeitscheck: Ein Fondssparplan kann relativ flexibel eingesetzt werden und auch „hellgrüne“ und „dunkelgrüne“ Nachhaltigkeitsfonds bedienen. Eine konsequente Umsetzung nachhaltiger Strategien bieten aus unserer Sicht derzeit spezielle „dunkelgrüne“ Lösungen, während ETFs eher als „hellgrün“ und weniger konsequent anzusehen sind.

3) Versicherungslösung – steuerlich clever und breit gestaltbar

Die Konkurrenz für den Fondssparplan ist die versicherungsgebundene Lösung – vor allem für die Einkommensklassen, die ohnehin keine Förderung erhalten, da die Versicherungslösung nicht staatlich gefördert wird. Vorteil hier: Dieser Weg ist eine schlanke Lösung, die eine zusätzliche Altersvorsorge aufbaut – mit Arbeitgeberzuschuss in Form der VWL. Gegenüber dem Fondssparplan profitiert man hier von steuerlichen Vorteilen, wenn die Ablaufleistung erst zum Ruhestand in Anspruch genommen wird. Dennoch ist das Modell flexibel – Entnahmen können jederzeit getätigt werden. Und auch verschiedene Anlagemotoren (mit Garantien oder zu 100% in Aktienfonds) können genutzt werden.

Geeignet ist die Versicherungslösung somit für alle, die aufgrund ihres Einkommens keine weiteren Förderungen erhalten und eine einfache und schlanke Lösung mit Blick auf die Altersversorgung bevorzugen. Dabei passt sie sowohl für eher sicherheitsorientierte Charaktere wie auch für investmentaffine Sparer*innen mit Zielrichtung einer zusätzlichen Altersversorgung.

Nachhaltigkeitscheck: Auch auf diesem Weg lässt sich eine nachhaltige Sparform konsequent umsetzen.

„Genau das wollte ich“, erinnert sich auch unsere Kundin Julia: „Eine einfache und möglichst nachhaltige Lösung, um die ich mich während der Laufzeit nicht kümmern muss und die mir zum Ruhestand noch etwas Geld auszahlt!“

Telefon: 0441 9252-0

E-Mail: info@schnitger-makler.de

Anschrift: Rosenstraße 48
26122 Oldenburg