11.09.2026Mit dem Kindergeld zum Millionär? Ja, aber anders als viele denken.
„So mache ich mein Kind allein mit dem Kindergeld zum Millionär.“
Mit dieser Schlagzeile machte kürzlich eine bekannte deutsche Boulevardzeitung auf sich
aufmerksam. Klingt spektakulär. Fast zu schön, um wahr zu sein.
Die überraschende Nachricht: Die Rechnung dahinter ist tatsächlich nicht falsch.
Der entscheidende Punkt ist nur: Es wird nicht gesagt, wann das Kind Millionär sein soll.
Die Rechnung
Nehmen wir das aktuelle Kindergeld von 259 Euro im Monat.
Wer diesen Betrag von der Geburt bis zum 25. Geburtstag konsequent investiert und das Geld
anschließend bis zum 67. Lebensjahr weiter investiert lässt, erreicht bei einer langfristig
angenommenen Rendite von 6,5 % pro Jahr ein Vermögen von mehr als 2,6 Millionen Euro.
Selbst wenn nur die Hälfte des Kindergeldes, also 129,50 Euro monatlich, angelegt wird, entsteht bis zum Renteneintritt ein Vermögen von über 1,3 Millionen Euro.
Wichtig dabei: 6,5 % Rendite pro Jahr sind keine Garantie. Es handelt sich um eine langfristige Annahme, wie sie bei einer breit gestreuten Aktienanlage über viele Jahrzehnte historisch durchaus erreichbar war. Die tatsächliche Entwicklung kann deutlich davon abweichen, in beide Richtungen.
Entscheidend ist deshalb weniger, das perfekte Börsenjahr zu erwischen. Viel wichtiger sind ein früher Start, regelmäßiges Investieren und genügend Zeit.
Das Kind kann also tatsächlich Millionär werden. Nur eben nicht mit 18 oder 25, sondern im Ruhestand.
Die eigentliche Botschaft
Die spannendste Erkenntnis steckt für mich allerdings gar nicht in der Millionenzahl.
Sie lautet: Zeit ist beim Vermögensaufbau ein entscheidender Faktor.
Viele Menschen unterschätzen, was mehrere Jahrzehnte aus kleinen, regelmäßigen Beträgen machen können. Nicht die perfekte Aktie und auch nicht der perfekte Einstiegszeitpunkt entscheiden allein über den langfristigen Erfolg. Es geht vor allem darum, früh anzufangen, regelmäßig zu investieren und dem Kapital Zeit zu geben.
Schon vergleichsweise kleine monatliche Beträge können so über die Jahre zu einem beachtlichen
Vermögen wachsen.
Klingt einfach. Ist es auch, mit ein paar Voraussetzungen.
Die Mathematik ist schnell erklärt. Die größere Herausforderung ist das Durchhalten.
Damit die Rechnung aufgeht, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:
• Das Kindergeld wird im Familienalltag nicht benötigt.
• Es wird möglichst lange investiert. Das Millionenziel kann unter den genannten Annahmen sogar erreicht werden, wenn nur bis zum 19. Lebensjahr angespart wird.
• Das Geld bleibt langfristig investiert und wird nicht zwischendurch entnommen.
• Die Inflation wird bei der ursprünglichen Rechnung zunächst ausgeblendet.
Gerade der letzte Punkt ist wichtig.
2,6 Millionen Euro in 67 Jahren sind nicht dasselbe wie 2,6 Millionen Euro heute. Bei einer langfristigen Inflation von rund 2 % pro Jahr entsprechen sie einer heutigen Kaufkraft von knapp 690.000 Euro.
Das ist immer noch ein beträchtliches Vermögen. Die reine Millionenzahl kann aber schnell einen falschen Eindruck vermitteln.
Vermögensaufbau braucht ein Konzept
Wer für sein Kind sparen möchte, sollte sich deshalb nicht nur fragen, wie viel jeden Monat investiert werden kann.
Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie das Vermögen aufgebaut und organisiert werden soll.
Soll das Depot auf den Namen des Kindes laufen? Dann gehört das Vermögen rechtlich dem Kind. Mit der Volljährigkeit kann es grundsätzlich selbst darüber verfügen.
Oder wird auf den Namen der Eltern gespart? Dann behalten diese die Kontrolle darüber, wann und in welcher Form das Vermögen später übertragen wird.
Auch steuerliche Aspekte sowie mögliche Auswirkungen auf BAföG oder andere Förderungen können eine Rolle spielen. Deshalb lohnt es sich, diese Fragen vorab zu klären, statt einfach das erstbeste Depot zu eröffnen.
Erst anschnallen, dann losfahren
Und noch etwas gehört zu einem langfristigen Vermögensaufbau dazu.
Das Leben lässt sich nicht planen. Krankheit, Berufsunfähigkeit oder ein schwerer Unfall können die finanzielle Situation einer Familie schnell verändern.
Deshalb gilt für uns ein einfacher Grundsatz:
Erst anschnallen, dann losfahren.
Bevor langfristig Geld investiert wird, sollten existenzielle Risiken abgesichert sein. Erst dann sollte der langfristige Vermögensaufbau in den Fokus rücken.
Der Kapitalmarkt kann dabei ein wichtiger Baustein sein, vorausgesetzt, das Geld wird langfristig investiert und zwischenzeitliche Schwankungen werden ausgehalten.
Denn am Ende geht es gar nicht darum, mit einer spektakulären Schlagzeile Millionär zu werden.
Es geht darum, seinem Kind möglichst früh einen finanziellen Vorsprung mitzugeben.
Und genau das kann Kindergeld, zumindest teilweise investiert, tatsächlich leisten.
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